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Kopfweiden

Kopfweidenbestände sind charakteristisch für unsere heimische Landschaft. Sah man sie vor einigen Jahren noch überall entlang den Wiesenauen, Bächen , Gräben und Wegen, so ist ihr Bestand in den letzten Jahren merklich zurückgegangen. In früheren Jahren war die Kopfweide zugleich ein guter Holzlieferant für die verschiedensten Gebrauchsgegenstände, z. B. Stiele für Schüppen. Aus dieser Sicht hat sie heute völlig an Wert verloren. Auch im Zuge möglichst großflächiger Bewirtschaftung werden Kopfweidenbestände vielfach als störend empfunden und daher entfernt. Befasst man sich jedoch etwas intensiver mit den Lebensgewohnheiten und charakteristischen Eigenschaften dieser Baumart, so stellt man fest, dass sie auch heute noch von erheblichen Nutzen sein kann. Ihr typischer Standort sind zumeist Wiesenauen, denn sie liebt feuchte bis nasse Böden. Daher eignet sie sich besonders zur Graben- oder Bachuferbefestigung und kann somit so manche Wasserbausteine beim Rückbau der Gewässer ersetzen. Zugleich ersetzt sie dem Landwirt die Zaunpfähle an Wiesenrändern. Daneben ist die Weide sehr frohwüchsig. Eine frischgeschnittene Kopfweide bringt Jahrestriebe von mehr als zwei Meter hervor. Dies kommt besonders dem auf den Weiden befindlichen Vieh zugute, bietet sie doch Schutz vor Sonneneinwirkungen und anderen Witterungsunbilden. Zugleich verbessern Kopfweidenreihen, ähnlich wie Wallhecken, erheblich das Kleinklima auf den danebenliegenden landwirtschaftlichen Nutzflächen. Das laufende Schneiden dieser Weidenart, in der Regel in einer Stammhöhe von 2 bis 3 Metern, hat zur Folge, dass sich schnell ein dicker Stamm entwickelt. An der Schnittstelle entsteht ein kopfartiges Gebilde, aus dem zahlreiche neue Triebe hervorsprießen. Durch den dauernden Schnitt, verbunden mit eindringendem Wasser und Witterungseinflüssen, bilden sich im Laufe der Jahre morsche Stellen und Höhlungen. Der regelmäßige Schnitt sollte alle 8 bis 10 Jahre erfolgen. Ansonsten halten die alten Bäume der Last der durch regennasses Laub immer schwerer werdenden Äste bei Sturm nicht mehr Stand und brechen auseinander.
In den Rissen, Nischen und Höhlungen solch alter Kopfbaumbestände bieten sich dann für die unterschiedlichsten Tiere wie Kleinsäuger, verschiedene Insekten und viele Vogelarten Lebensraum und Brutmöglichkeiten. Während bei anderen Baumarten infolge intensiver Bewirtschaftung nicht mehr ertragreiche, morsche Bäume entfernt werden, schafft die Kopfweide somit einen wichtigen Ausgleich. Um jedoch dem immer mehr um sich greifenden Abholzen dieser Kopfbäume entgegenzuwirken, versucht unser Verein, Landwirte auf die Bedeutung alter Kopfweidenbestände für die Umwelt hinzuweisen, gleichzeitig ihnen aber auch die Arbeit des erforderlichen Schneidens abzunehmen. Auf diese Weise wurden im Laufe der letzten 40 Jahre etliche alte Weiden vor der sicheren Zerstörung durch Fällen oder Windbruch gerettet. Außerdem konnten durch Einpflanzen der heruntergeschnittenen Äste viele Neubestände in der näheren Umgebung geschaffen werden. Inzwischen ist die turnusmäßige Schnittpflege von 350 bis 400 Kopfweiden und die jährliche Abgabe von ca. 100 Schnitthölzern für Neuanpflanzungen an andere Vereine und Naturschutzverbände ein fester Bestandteil der Umweltaktivitäten unseres Vereins.